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V.I. Internationales Sommerfestival Johann Heinrich von Thünen
vom 09. bis 29. Juni 2013 in Gottin 

„Flötentöne und mehr”

Das VI. Internationale Sommerfestival „Johann Heinrich von Thünen” mit Meisterkurs für Flöte ist Geschichte – eine Erfolgsgeschichte für alle daran Beteiligten und nicht zuletzt für die Konzertbesucher! Was sonst in eine Woche komprimiert war, durfte sich in diesem Jahr über zwanzig Tage ausbreiten und alle haben dabei gewonnen. Das Eröffnungskonzert in der Belitzer Kirche (dort ist die Familie von Thünen begraben) gestaltete am 9. Juni das Bach-Collegium Weimar unter Leitung von Professor Erich Krüger. Dieses exzellente Kammerorchester vereint hervorragende Solisten, u. a. auch vom Gewandhausorchester Leipzig. In der wunderbaren Akustik der Belitzer Kirche erklangen einige der schönsten Solokonzerte Johann Sebastian Bachs. Die Freude, mit der das Ensemble „Bach pur“ musizierte, übertrug sich auf die gebannt lauschenden Konzertbesucher, auch dank der substantiellen und charmanten Moderation Erich Krügers. Und das Beste: Die Gruppe will wieder kommen, nächstes Jahr soll es ein Konzert mit Werken der Romantik werden! Eine Woche später erfolgte im Bürgerhaus die Eröffnung der begleitenden Ausstellung mit Druckgrafiken und Malerei von Sabine Lenz. Zum Meisterkurs Flöte gehört natürlich auch immer ein meisterlicher Pianist, der als Begleiter den Teilnehmern zur Verfügung steht. Das ist seit Beginn des Festivals 2008 Jens Hoffmann, Dozent an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock. Er machte die Ausstellungseröffnung mit seinem Soloprogramm für Klavier zu einem ganz speziellen Ereignis, alle lauschten fasziniert ganz besonders seiner Interpretation der 12. Rhapsodie von Franz Liszt. In jedem Jahr ist auch ein Kinderprogramm vorgesehen: „Der Kuckuck und der Esel” stritten sich am 18. Juni unter großer Anteilnahme des kleinen Publikums gemeinsam Sabine Zinnecker vom Dorftheater in Siemitz, wer denn nun am besten sänge… Im Gutshaus Gottin stellte sich die künstlerische Leiterin des Festivals, Frau Dr. Setzkorn-Krause gemeinsam mit zwei ihrer Studentinnen aus Taiwan und Korea am 24. Juni dem Publikum vor. Dabei erklang nicht nur exquisite Literatur für Querflöte, sondern jede der drei jungen Damen stellte auch ein Volkslied aus ihrer Heimat vor. Wer kennt schon ein Lied aus Taiwan, auch das gibt es während des Festivals zu erleben. Der Abend am 26. Juni war „Jazz zu dritt” vorbehalten. Dahinter verbergen sich Andreas Pasternack am Saxophon, Christian Ansehl an der Gitarre und am Kontrabass Enrique Marcano Gonzáles, die ihr Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinrissen. Eine tolle Besonderheit: Im zweiten Teil darf das Publikum das Programm mitgestalten, die Musiker spielen sozusagen auf Zuruf! Und irgendwann hält es die Leute dann nicht mehr auf den Plätzen und in den Reihen wird getanzt – in diesem Jahr spontan eröffnet vom Belitzer Pastor und seiner Frau! Das Konzert in der restaurierten Warnkenhagener Kirche am 27. Juni gestaltete das „Duo Feelsaitig”. Und viele Saiten sind es wirklich, die Sophia Warczak mit ihrer Harfe und Dorle Bludau, Violine, zum Klingen brachten. Sie nahmen ihr begeistertes Publikum auf eine Weltreise mit, Werke aus Argentinien, Italien, Deutschland und Frankreich erklangen. Natürlich darf ein Konzert in Tellow, der Wirkungsstätte des Namensgebers des Festivals, nicht fehlen. Und hier war am 28. Juni nichts Geringeres als ein Weltkulturerbe zu Gast – Portugiesischer Fado. Das DUO FADO INSTRUMENTAL besteht aus zwei Ausnahme-Gitarristen: Jan Dijker an der portugiesischen Gitarre und Oliver Jaeger, spanische Gitarre und Bandoneon. Das begeisterte Publikum erzwang sich etliche Zugaben und so manche CD mit der berühmten Musik der portugiesischen Seele erklingt jetzt in der Mitte Mecklenburgs. Der letzte Abend des Festivals ist immer den Teilnehmern und Dozenten des Meisterkurses vorbehalten. Sie zeigen in einem großen Konzert im Saal des Bürgerhauses am 29. Juni, was in der Kurswoche gemeinsam erarbeitet wurde. Und manchmal passieren da auch die seltsam-schönsten Dinge: So fehlte plötzlich der Pianist Jens Hoffmann, weil er Vater wurde! Das ist gewiss eine große Freude, aber eben auch ein Problem: woher so schnell einen so versierten Begleiter nehmen? Aber auch das wurde gelöst: Michael Stöckigt wurde sozusagen aus Berlin „eingeflogen” und begleitete die Studenten und Dozenten mit ihrer doch sehr speziellen Flötenliteratur ebenfalls absolut meisterlich. Eine große Freude war es uns, auch einige der vielen Sponsoren, ohne deren Hilfe gar nichts geht und denen wir zu großem Dank verpflichtet sind, bei den Konzerten begrüßen zu können. In allen Konzerten wurden die Besucher gebeten, sich an der Spendenaktion des Fördervereins für die Flutopfer zu beteiligen. 900 Euro konnten gesammelt werden, die nun an einen betroffenen Verein in Mecklenburg überwiesen werden. Was gibt es noch zu sagen? Nicht nur die einmaligen Konzerte sind es wert besucht zu werden, auch die kleinen kulinarischen Genüsse finden großen Anklang. Die Frauen des Vereins sind hervorragende Bäckerinnen und verstehen sich auch auf leckere Büfetts. Und zum Abend mit Andreas Pasternack, der bei schönem Wetter auch schon auf der Wiese Konzert gemacht hat, wird jedes Jahr gegrillt. Es gibt also viele gute und sogar leckere Gründe, sich die Festivalzeit in Gottin und Umgebung für 2014 vorzumerken!

Renate Hippauf